Diese Sammlung erschließt Edgar Allan Poe und E. T. A. Hoffmann als literarische Meister einer Ästhetik des Unheimlichen, in der Fantastik, psychologische Abgründe und kunstvoll kalkulierte Fiktion ineinandergreifen. Zwischen romantischer Nachtseite, Schauergeschichte, grotesker Satire und kriminalistischer Präzision entfaltet sich ein weiter stilistischer Raum. Die Gegenüberstellung macht sichtbar, wie Doppelgänger, Wahn, musikalische und mechanische Phantasien sowie die brüchige Grenze zwischen Wirklichkeit und Einbildung zu prägenden Formen moderner Literatur werden. Mit Hanns Heinz Ewers und Eduard Grisebach treten zwei kenntnisreiche Vermittler und eigenständige Stimmen der deutschsprachigen Literatur- und Rezeptionsgeschichte hinzu. Ihre Perspektiven verbinden die deutsche Romantik mit Poes transatlantischer Wirkung und rücken jene Traditionslinien ins Blickfeld, aus denen Dekadenz, Symbolismus und frühe Moderne schöpften. In der gemeinsamen Lektüre werden Hoffmann und Poe nicht als isolierte Sonderfälle, sondern als zentrale Impulsgeber einer internationalen Literatur des Rätsels, der Angst und der Imagination verständlich. Der Band empfiehlt sich allen, die die Genealogie der phantastischen Literatur genauer verfolgen möchten. Er bietet die seltene Gelegenheit, unterschiedliche poetische Verfahren und kulturelle Horizonte in einem konzentrierten Dialog zu erkunden. So wird die Sammlung zugleich zu einer anregenden Einführung in zwei kanonische Werkwelten und zu einer Einladung, ihre nachhaltige Wirkung auf das moderne Erzählen neu zu bedenken.