In "Hindenburg und die Sage von der deutschen Republik" untersucht Emil Ludwig die politische Bedeutung und nachträgliche Verklärung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Das Buch verbindet biografische Darstellung, historische Analyse und publizistische Anklage: Es fragt, wie aus dem monarchisch geprägten Feldherrn ein vermeintlicher Hüter der Republik werden konnte und welche Verantwortung er für deren Aushöhlung trug. Ludwigs prägnanter, anschaulicher und polemisch zugespitzter Stil steht in der Tradition der modernen politischen Biografie, überschreitet jedoch bewusst die Grenze zur zeitgeschichtlichen Intervention. Im Kontext des Untergangs der Weimarer Republik und der nationalsozialistischen Machtübernahme gelesen, entlarvt das Werk politische Legenden als wirksame Instrumente kollektiver Selbsttäuschung. Emil Ludwig (1881–1948), als Biograf historischer Persönlichkeiten international bekannt, verband sorgfältige Recherche mit psychologischem Einfühlungsvermögen und literarischer Gestaltungskraft. Seine Bücher über Napoleon, Goethe und andere politische wie kulturelle Gestalten machten ihn zu einem bedeutenden Vertreter der historischen Biografie. Als jüdischer deutscher Schriftsteller beobachtete er den Aufstieg des Nationalsozialismus aus kritischer Distanz und widmete sich zunehmend der Aufklärung über autoritäre Macht und politische Verantwortung. Die Erfahrung von Republikzerstörung, Exil und propagandistischer Geschichtsfälschung prägt dieses Buch unmittelbar. Das Werk empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die den Übergang von der Weimarer Demokratie zur Diktatur nicht nur chronologisch, sondern auch hinsichtlich politischer Mythen und persönlicher Verantwortlichkeit verstehen möchten. Es ist zugleich eine eindringliche Studie darüber, wie Erinnerung zur Legitimierung von Macht geformt wird.